Wir im Bereich Metalldesign arbeiten derzeit besonders intensiv: An der Gestaltung – und ministeriell verordneten Umgestaltung – von Bildungsstandards und Lehrplan-Semestrierung; an der Umsetzung der neuen Lehrpläne am Schulstandort und damit an der Realisierung der „Höheren Lehranstalt für Design“; durch all das veranlasst am persönlichen Upgrade von Fachwissen und Fremdsprachenkompetenz; und wir nehmen natürlich täglich die „Mühen der Ebene“ auf uns um all diesen hohen und hehren Idealen näher zu kommen...

Also war es hoch an der Zeit, eine lieb gewordene – aber in all dem Trubel der letzten Jahre vernachlässigte – Tradition wieder aufleben zu lassen: Gemeinsam auf Reisen zu gehen!

Wir nützten das schulautonom verlängerte Wochenende und bereisten vom 1. bis  4. Mai die Region Venetien. Wir – das sind fast alle Kolleginnen und Kollegen aus dem fachpraktischen und –theoretischen Bereich, viele davon mit Partner, einige unserer Pensionisten und Poldi, unser „guter Geist“ aus der Villa, sowie Hannes, der „gute Geist“ des Kulturcafes. Insgesamt 24 Personen.

Unser Ziel war Montagnana, eine zauberhafte Kleinstadt mit vollständig erhaltener mittelalterlicher Stadtmauer, bestens gelegen für Ausflüge nach Vicenza, Padua, Este oder Mantua.

Ein komfortabler Reisebus sammelte fast die gesamte Mannschaft vom Parkplatz der HTL Steyr auf; Michl und ich stiegen in Seewalchen zu. (Ein Mal im Jahr nicht so früh aufstehen wie sonst!) Dort teilte ich selbst verfasste, auf unser Programm abgestimmte Reiseführer aus, und in der Folge lasen die, denen dabei im Bus nicht schlecht wurde, andere schliefen...(Marlene immer wieder einmal.)

Auf der Hinfahrt stellte sich die Frage: Wo Mittagspause machen? Natürlich in Italien – schon allein wegen der kulinarischen Einstimmung. Also her mit der Liste der Restaurant-Empfehlungen und den neu erworbenen Italienisch-Kenntnissen und ran ans Handy: La trattoria „Il Toso“ bei Tricesimo entpuppte sich als echter Geheimtipp. Gnocchi „zum Niederknien“ und die besten filetti aller Zeiten veranlassten unseren Jean, anzufragen, ob wir ihn nicht auf der Rückfahrt wieder abholen könnten; er würde einstweilen vor Ort ausharren...(Übrigens lernte ich dabei, dass vorbestellte zwei Gänge, unter denen ich Vor- und Hauptspeise verstand, in Italien zwei kleine Vorspeisen und zwei kleine Hauptspeisen meinen, und dass man ohne „dolce“ und Kaffee nicht entkommen kann.)

Am späten Nachmittag bezogen wir unsere Zimmer im Hotel „Aldo Moro“ in Montagnana. Ein kleiner Stadtbummel ging sich noch aus, dann ging es ans Abendessen. (Dort waren drei Gänge dann in Wirklichkeit fünf, aber da man immer was nachgereicht bekam, musste niemand verhungern...)

Am nächsten Tag trafen wir unsere deutschsprachige Führerin in Padua. Leider stimmte diesmal die Wettervorhersage und Padua präsentierte sich grau und regnerisch – und fast so kalt wie zu Hause. Da unsere erste Station die capella „San Scrovegni“ war – und wir somit unter Dach – machte das fürs erste nichts aus. Die Giotto-Kapelle präsentiert sich nach den kürzlich abgeschlossenen Restaurierungsarbeiten in prächtigen Farben und beeindruckender Bilder-Vielfalt. Leider währt dieses Vergnügen nur kurz, denn die Italiener haben – in Anbetracht der Gefährdung der Bilder, die von den Ausdünstungen vieler Besucher ausgeht – die Besuchszeiten sehr kurz „getaktet“, und ehe man sich’s versieht, wird man schon wieder hinausgeschmissen. Eine halbe Stunde für Einstimmung (Film) und Besuch der Kapelle ist, wie wir übereinstimmend festgestellt haben, viel zu kurz! (Noch dazu, da man sich vorweg anmelden musste und eine feste Eintrittszeit zugeteilt bekam. Da hätten wir uns ein bisschen mehr an Entgegenkommen erhofft.)

Ein weiterer Wermutstropfen: Der Rektor der Universität Padua hatte sich kurzfristig entschlossen, diese Tage auch seinen Bediensteten frei zu geben und den Verwaltungstrakt geschlossen zu halten. Also konnten auch wir das „teatro anatomico“, den ältesten Seziersaal Europas, nicht besichtigen.

Dom, San Antonio, das Reiterstandbild des „Gatta Melata“, das Cafe Pedrucchi – vieles stand uns dennoch offen.
Auf einen Kultur bestimmten Vormittag folgte ein profaner Nachmittag mit Besuchen von kulinarisch oder Konsum orientierten Lokalitäten. (Prada, Furla, Benetton)

Ein kurzer Stopp in Este erlaubte zwar einen kleinen Bummel – aber kalt war’s schon...

Am nächsten Tag war uns das Wetter gnädiger gestimmt: Vicenza stand auf dem Programm, und war es beim Besuch der Villa Capra / „La Rotonda“ noch einigermaßen kühl und, als wir aus dem „teatro olimpico“ kamen, noch ein bisschen regnerisch, besserte es sich zusehends, und der Nachmittag lud zum Sitzen zwischen „Basilika Palladiana“ und „Loggia del Capitano“ ein. Und sofort entwickelte sich italienisches Flair – mit flanierenden Italienern und – übrigens ausgezeichneten – Straßenmusikern.

Am Abend im Hotel lud Susanne zu einem Aperitiv: Proseccho für alle – und der Padrone lieferte mit Grandezza kleine Häppchen - Käse, Oliven, diverse Knabbersachen – auf Kosten des Hauses dazu. (Auch das ist in Österreich leider nicht Usus – aber der Kulturschock hielt sich in Grenzen.)
Müßig, zu erwähnen, dass auch das Hotel kulinarisch jeden Abend zur Höchstform auflief!

Am nächsten Morgen hieß es schon wieder Abschied nehmen. Also: Packen, Danke sagen, Trinkgelder verteilen, und dann Abfahrt. Eine letzte Station war Fanzolo, wo die „Villa Emo“ –ebenfalls von Andrea Palladio – ein Gegenstück zur „Villa Rotonda“ in Vicenza darstellt. Und hier machte uns der Wettergott den Abschied wirklich schwer: Sonne, Wärme, ein wunderschönes Ambiente, welches „la dolce vita“ der späten Renaissance wirklich nachvollziehbar machte!

Auf dem Heimweg haben wir bereits begonnen, Pläne für künftige Reisen zu schmieden...denn mit dieser interessierten, kollegialen und disziplinierten Mannschaft – die auch genießen kann -  fahre ich überall hin! Immer wieder! Jederzeit!