Höhere Technische Bundeslehranstalt Steyr
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„Transformationen“ – mit einer so betitelten Ausstellung in seiner Heimatgemeinde Freudenthal bei Weissenkirchen im Attergau meldet sich Bernhard Stimpfl-Abele in seiner Heimat Österreich zurück.

Stimpfl-Abele, Jahrgang 1983, ist einer der Renommierten einer neuen Generation von heimischen Schmuckkünstlern; dabei weiß kaum jemand, dass er seine Wurzeln in Österreich, ja Oberösterreich hat, denn nach dem Abschluss seiner Goldschmiedeausbildung an der HTL Steyr / Fachschule für Kunsthandwerk-Metalldesign und „Gastspielen“ bei der Sommerakademie Salzburg und Sven Boltenstern in Wien zog es ihn zur Fortbildung ins Ausland.

Florenz / Italien, Barcelona / Spanien und Stockholm / Schweden waren die wichtigsten Stationen, und Stockholm sollte es für einige Zeit bleiben. An der „Konstfack University“ in Stockholm absolvierte er ein Studium der angewandten Kunst, Schwerpunkt Schmuck und Objekt, und machte seinen Master.

In Stockholm gründete er 2010 auch seine eigene Firma „abele Contemporary Jewellery“ und 2012 das Galerie-Café „Parallel“.

Zusätzlich unterrichtet er seit 2013 im „Azza Fahmy Design Studio“ in Kairo.

Mit der aktuellen Ausstellung in Freudenthal setzt sich Bernhard Stimpfl-Abele mit seinen Wurzeln auseinander. Seine Vorfahren, Freiherren Stimpfl-Abele, waren Land- und Forstbesitzer, bis 1942 Betreiber einer Glasfabrik und K.u.k. Hoflieferanten.

Die Werkzeuge der Glasbläser sind es, die Bernhard ins Zentrum seiner Ausstellung stellt: Er verändert sie, schneidet sie auseinander, kehrt – indem z.B. eine Negativform durch einen Belag aus Blattgold, -silber oder -kupfer in Szene gesetzt wird - ihre formale Aussage um und transformiert sie zu Schmuck oder Objekten. Diese Werkzeuge sind nicht etwa „ready-mades“, denn sie sind keineswegs fertig und einfach zum Kunstobjekt hochstilisiert; gerade ihre Transformation ist von Bedeutung. Man könnte sie – sich an der Kunstgeschichte des beginnenden 20. Jahrhunderts orientierend - eher als „objets trouvés“ bezeichnen. Als Funde, als Glücksgriffe, die zum Prozess des Veränderns verführen.

Dabei achtet Bernhard Stimpf-Abele sehr penibel darauf, die Funktionalität der Werkzeuge – und damit „ihre Ehre“ - zu erhalten. Durch diese „Transformationen“ entsteht etwas völlig Neues; dennoch verleugnen diese Artefakte nicht ihre „Wurzeln“, die sie im alten – oft über 150 Jahre alten - Glasmacherwerkzeug haben. In einen neuen Kontext gestellt entwickeln diese Schmuckstücke und Objekte eine ungeahnte und ganz eigene Ästhetik.

Und genau deshalb passen diese Objekte in die Gegend; und genau darum wird diese Ausstellung auch von der einheimischen Bevölkerung sehr gut angenommen. Der aufmerksame Betrachter spürt den Aufbruch in etwas Neues, aber auch die Verneigung vor dem Traditionellen, das gestalterische Gespür und das handwerkliche Können. Avantgarde mit Bodenhaftung und Handschlagqualität.

Alles in allem eine sehr gelungene Art, „nach Hause“ zu kommen!

Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten des Wirtshauses Freudenthal (Freudenthal 7, Weissenkirchen im Attergau) noch bis 31.10. zu besichtigen und wird im Frühjahr 2016 voraussichtlich in Wien Station machen.

Mag. Ulrike Stoiber-Postelmair