Höhere Technische Bundeslehranstalt Steyr
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Im Anschluss an eine Einführung in die Dichtungsgattungen beschäftigte sich die 1 AHME unter der Anleitung ihrer Deutschlehrerinnen Prof. Margit Prömer und Prof. Claudia Zelenka-Dedeyanmit dem 1977 uraufgeführten Drama "Kein Platz für Idioten" des Tiroler Schriftstellers Felix Mitterer.
Berührt von der Lektüre mit verteilten Rollen dachten die Schülerinnen und Schüler über das offene Ende nach und verfassten eindrucksvolle Fortsetzungen des Textes...
In dem Theaterstück geht es um einen geistig behinderten Bauernsohn, der von den Eltern nur als Belastung und Nichtsnutz im harten Arbeitsalltag empfunden wird. Ausgestoßen, verspottet und an den Rand gedrängt, findet er schließlich beim alten Plattl-Hans Zuwendung und Verständnis, also ein Zuhause, bis die Dorfgemeinschaft nach einem Vorfall gemeinsam beschließt, den behinderten Wastl aus der Obhut des Alten in eine psychiatrische Anstalt abzuschieben. Nach zwei Jahren, in denen er beim Alten endlich erfahren hat, was es bedeutet geliebt zu werden, wird er von Gendarmerie und Pflegepersonal abtransportiert und erleidet einen Anfall...
Eindringlich und aufrüttelnd sind die folgenden Texte, die den Stil Mitterers sehr gut abbilden und verschiedene Varianten der weiteren Ereignisse anbieten...

Fortsetzung von Oskar Eibel

Am Tag, nachdem Sebastian ins Narrenhaus gebracht worden ist, im Wirtshaus. Der Plattl-Hans sitzt mit einem Bier an einem Tisch, als der Vater von Maria den Raum betritt.
Plattl-Hans: Griaß di, du Schwein!
Marias Vater: Servas, Hans. Sei ned glei so goarstig, es wor jo nur a Gfalln für´d Allgemeinheit.
Plattl-Hans: A Gfalln? Für´d Allgemeinheit? Du bist jo a bissl mehr ois deppat! Es wor olles mei Schuid, i hätt in Mandl afoch fria aufklärn miasn. Er hot jo ned gwusst, wos a duat. Oba ihr olle hobts jo ned mit eich redn lossn, und deswegn hoit i eich olle für Schweine.
Marias Vater: Jo, oba waunst eam aufklärt hättst, hätt’ a jo vielleicht mei Tochta …
Plattl-Hans: Wos? Des traust da du sog’n? Du kennst mein Buam ned amoi wirklich, des wor da bravste Bua, den des Dorf jemois g’seng hot! Der hätt nia im Leben ane vergewoitigt! Oba waun du und des gaunze Dorf eicha Meinung ned änderst, daun wü i nix mehr mit eich zum duan ham!
Plattl-Hans stürmt aus dem Gasthaus. Am nächsten Tag wird er mit einem Messer in der Brust in seiner Wohnung gefunden. Er hat Selbstmord begangen.
Kein
Platz

Fortsetzung von Nicole Stoiber

Der Alte stapft in Gedanken versunken durch das Dorf. Viele Leute sehen ihn an und beginnen zu tuscheln. Manch einer wirft ihm einen vorwurfsvollen Blick zu.
Der Alte: Wos denn? Hoit's mi jetzt a fia an Deppn? Losst‘s ois nexten mi von de Doktoren holen? Mocht's nur! I hob scho ois verlor‘n, wos ma wos wert is. Weg g‘numma hobt´s man. Mein Buam, mei Leben.
Einige weichen den Blicken des Alten aus. Der Wirt tritt aus dem Wirtshaus heraus auf die Straße.
1. Mann: Herst Bürgermeister, so tua doch wos! Der soid do ned so an Aufstaund mocha!
Wirt: Jo, jo… Woat nur! I red glei mid eam, nit?
1. Mann: Jo, dua des, owa schnö! Es san scho wieda Touristen im Ort.
Der Wirt geht auf den Alten zu.
Der Alte: Du hätt‘st eana sogn kina, dass da Wastl des ned so g‘mand hot! Du kennst eam doch! Er is doch nu fost a Kind! Ohne mi, jo, do wird er wiakli deppad! I hob nie wos g‘hobt! Nie! Daun hob i a moi wos, wos mei‘m Leben an Sinn gibt und ia olle sats dagegen!! Nur weil er aundas is! Owa i sog eich wos: I warad liaba so aundas wia er, ois wia so verlogen wia des gaunze Dorf!!
Wirt: Ge reg‘ di ned auf, wos g‘scheng is, is g‘scheng, und ändern kaunst es jetzt a nimma, nit? Siach‘s doch so, jetzt host endli wieda gnuag Göd zum Überleben, des is da doch eh imma z´knapp wordn. Kum mid eini, i gib da a Achtl aus.
Der Alte: A Achtl wü i ned! Mein Wastl wü i wieda! Und ohne eam kaun mia a alles Göd der Wöd g‘stoin blei‘m. (Geht die Straße hinunter.) Wia foisch is de Wöd? Kaum entspricht ma ned der Norm, wird ma ois Depp og‘stömpid.

Fortsetzung von Vanessa Watzer

 
Sonntagfrüh. Die Kirche ist gerade zu Ende. Der Kirchenplatz überfüllt. Jeder unterhält sich, außer der Plattl-Hans, er steht abseits und starrt in die Menge.
Als er sich zum Gehen wendet, kommen die Eltern von Wastl vorbei. Sie würdigen ihn keines Blickes.
Der Alte: Jetzt dat's doch nit, wia wont's mi nit kenats.
Die Eltern starren ihn an und gehen weiter.
Der Alte: Jetzt schaut's mi do au, waun i mit eich red!
Er greift dem Möllinger-Bauern an die Schulter. Dieser allerdings will nichts von ihm wissen und stößt ihn grob zur Seite.
Der Alte (zu sich selbst): So leicht werd's mi nit los.
Der Alte (zu den Eltern gewandt): Wos sat's denn es für Eltern?
Nun reicht es dem Bauern.
Möllinger-Bauer: Jetzt misch di nit ei. Des is eh unsa Bua.
Der Alte: Eicha bua. Das i nit loch. Es hobt's gsogt, i soi auf eam schaun, und jetzt nehmt's man weg. Wos hot ah eich dau?
Möllinger-Bauer: Des geht di an Dreck au!
Mittlerweile hat sich eine Menschentraube um die beiden gebildet.
Die Möllinger-Bäuerin wird immer unsicherer, ob es eine gute Idee war, den Buben ins Narrenhaus zu geben.
Der Alte: Hätt's eam richtig erzogn, warad ois aundas kuma. Es hätt's an Orbeiter ghobt und kan unnützen Fresser.
Der Gendarm sorgt für Ruhe.
Gendarm: Ah geh Plattl-Hans, loss’n doch in Ruah, du kaunnst dein Buam sowiso nimma zruckhoin. (Zu der Menge gerichtet) Und es, hobts es nix Bessas zum doa?
Möllinger-Bäuerin (zum Alten): Ah geh, Hans, es tuat ma so lad. Jetzt, wos das laut ausgsprochn host, horcht si des so schiach au.
Möllinger-Bauer schaut verwirrt zu seiner Frau.
Möllinger-Bauer: Weib, spinnst du total?
Möllinger-Bäuerin: Na, siachst du nit, wos wir angstöllt hom? Domois hot er si sogar ah Larven aufgsetzt, damit man nit segn miassn. Wa ma nur amoi menschlich gwesen, wa ois aundas kuma.
Der Alte, der Möllinger-Bauer und der Gendarm schauen einander verwirrt an.
Der Alte: Ma, i bin so froh, dass’d das endlich übarissn host. Waun ma zaumhöfn, kint man vielleicht nu retten. (Schaut zu Schorsch) Bitte hüf ah du uns!
Gendarm: Sicha hüf i eich!
für
Idioten

Fortsetzung von Laura Zeilinger

Der Alte sitzt an einem Tisch, ist sichtlich angetrunken und wirkt fassungslos. In der Hand hält er eine Flasche Bier. Gedankenverloren starrt er sie an und murmelt unverständliches Zeug vor sich hin.
Alter: … Vorbei… ois vorbei… und ois mei gottverdammte Schuld! (fluchend, fast rufend) Mei gottverdammte Schuld!
Gast 1 betritt den Raum.
Gast 1: He Servus Hans! Es duat ma echt lad mid deim Buam. Des wos passiert is. I soi da a herzliches Beileid vom Herrn Bürgermeister ausrichten und…
Alter (unterbricht): Vom Herrn Bürgermeister?! I glaub’s ned. Der soi si sei falsches Mitleid spoan, des mocht den Buam a ned wida lebendig! Des hätt si der früher überlegen miassn!
Gast 1: Jo, host eh recht, nur siecht des da Bürgermeister ned so. Der sogt, der Bua is aun am Anfall erstickt, stimmt des?
Alter: De drahn si sowiso ois, wias’es brauchan! Hätt i eam doch nur g’hoiffn, dem oamen Buam! Es is ois mei Schuid! I bin danebn gsessen und hob anfoch nur zuagschaut, wias’n zu Tode schikaniern! Daweil hett er mi so dringend braucht…
Er nimmt einen weiteren Schluck aus seiner Flasche. Gast 1 setzt sich endlich nieder, gegenüber von dem Alten.
Gast 1: Jetzt herst oba auf! Des gaunze Dorf hot’n umbrocht, oba du am wenigern von ollen!
Alter: Owa i hätt den Buam besser beschützen miassn! I hob … (Stockt, muss die Tränen zurückhalten, holt ein Taschentuch aus der Westentasche und schnäuzt sich geräuschvoll) … Da Bua… er woa des anzige, wos mei’m Leb’n jetzt nu an wiaklichen Sinn geb’n hod. Und i kaun eam ned amoi a anständig’s Grab bieten und sei Familie würd’n doch liaber in de nexte Odlgruabm schmeißn, ois dass eam im Familiengrab beerdigen…
Gast 1: Ah ge, do losst si sicha wos mochn! Wenn da gaunze Ort zaumhilft …
Alter: Na, gaunz sicha ned! De hättn vorher helfen soin und ned jetzt, wos eh scho z’spot is! Na guad, wia dem a sei, i geh jetzt hoam.
Gast 1: Woat i geh mit, aloane finds’t du in deim Zuastaund do nimma auffi.
Alter: Daungsche, soiche Leid wia du san a scho söltn woan. Trotzdem, i werds scho schoffn aloane.
Gast 1: Guad, owa möd’ di, wennst wos brauchst!
Alter: Passt. Daun bis moagn. Pfiat Gott!
Gast 1: Pfiat Gott und da Hergott steh da bei!


Prof. Mag. Claudia Zelenka-Dedeyan