Höhere Technische Bundeslehranstalt Steyr
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Welches kreative Potential in den Schülern und Schülerinnen der 4YFKU steckt, zeigt diese kleine Auswahl von (satirischen) Geschichten. Lesen Sie weiter...!
Prof. Mag. Evelyn Achleitner

 

 
"Nun mach mal keinen Stress!"

„Nun mach keinen Stress, wir haben noch fünf Minuten.“
„Laura, mach keinen Stress, es ist doch erst zehn vor!“
„Schatz, bitte, mach doch keinen Stress“.
Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich diesen Satz zu meiner Frau gesagt habe. Zehn, fünfzehn Mal in der Woche sicher. Und was hat es genutzt? Nichts, absolut gar nichts. Und das Einzige, was mir am Ende meines Lebens blieb, war dieser Satz.
Doch beginnen wir von vorne. Es war an einem lauen Samstagmorgen, meine Frau Laura und ich waren auf die Hochzeit meines Chefs eingeladen.
Das war nichts Ungewöhnliches in meinem Beruf. Unser Unternehmen, besser gesagt, das Unternehmen von Don Vito Corleone, meinem Chef, war wie eine große Familie.
Also, wir waren auf die Hochzeit meines Chefs eingeladen, an einem lauen Samstagmorgen. Ich lag noch gemütlich zwischen den warmen Bettlaken, als meine hysterisch wirkende Ehefrau mit einer giftgrünen Gesichtsmaske und unzähligen knallrosa Lockenwicklern auf mich zu stürmte. Ihre langen roten Fingernägel krallten sich in die wollig weiche Decke; mit aller Kraft zerrte ich daran, doch es schien, als hätte meine Frau die Kraft eines Sumoringers. Mit einer leichten seitwärts gerichteten Bewegung ihres Handgelenkes entledigte sie mich meines Kokons aus schöner weicher Baumwolle. Ihre roten Lippen, die in einem gruseligen Kontrast zu ihrer zurzeit grünen Hautfarbe standen, plärrten etwas in meine noch vom Schlaf trunkenen Ohren. Sie packte mich am Pyjamakragen und zerrte mich ins Badezimmer. „Nun mach mal keinen Stress!“, rief ich ihr nach, als sie hinausstürmte.
Nach geschätzten fünf bis zehn Minuten hatte ich mich geduscht, die Zähne geputzt, rasiert und mich in meinen neuen schwarzen italienischen Anzug geworfen, hatte die auf Hochglanz polierten Schuhe geschnürt und mindestens dreimal „Stress mich nicht, Schatz.“ gerufen.
Als ich die Treppe zum Vorhaus hinunterschlenderte, hörte ich meine Frau schon hupen.
Mittlerweile schon etwas gereizt, fragte ich mich, ob die alte Hexe wohl heute mit grüner Gesichtsfarbe wegginge, denn in dieser kurzen Zeit hätte sie sich nie die Haare machen und das eklig müffelnde Zeug aus dem Gesicht waschen können. Doch zu meinem Erstaunen saß sie wie aus dem Ei gepellt in unserem Wagen.
Sie hupte noch dreimal, bis ich endlich im Auto saß. Als ich mich hinters Steuer setzte, fuhr sie mich an: „Wir sind schon zehn Minuten zu spät. Was hast du so lange gemacht? Ich hab dich vor einer Stunde ins Bad geschleppt und vor dreißig Minuten hab ich dir gesagt, dass wir fahren müssen… Nun gib doch endlich Gas, du weißt doch, was dein Chef von Verspätungen hält. Mach doch endl… .“ „Nun mach mal keinen Stress!“, schnauzte ich zurück.
Als wir vor der Kirche ankamen, war der Vorplatz menschenleer. „Was hab ich dir gesagt? Sie haben schon angefangen. Ach, was für eine Schande, alle werden uns sehen, mein Gott, was die wieder von uns denken werden, das ist alles nur dei… .“ „Mach mal keinen Stress!“ Als ich die Türe zur Kirche öffnete, sahen wir zu unserer Erleichterung, dass die Trauung noch nicht begonnen hatte. Da wir aber so spät gekommen waren, mussten wir stehen. Wir schlossen die Türe und der Kirchenchor setzte ein. Meine Frau tippte mir auf die Schulter. Ohne mich um zudrehen, sagte ich zu ihr: „Na siehst, Schatz, nur keinen Stress machen, der alte Sack heiratet sein geldgeiles Flittchen nun doch in unserer Anwesenheit.“ Weil ich von meiner Frau keine Antwort bekam, drehte ich mich um und … sah in die wütenden Augen der zukünftigen Mrs. Vito Corleone.
Tja, was soll ich sagen, in unserer Firma gibt es da noch so eine Regel. Beleidigen nie, aber auch niemals die Frau des Dons. Nachdem ich von den Handlangern meines Chefs aus der Kirche geleitet worden war, packten sie mich am Genick und pressten mich auf einen nahe gelegnen Baumstumpf. Ich hörte Schritte. „Nun macht schon, ich hab nicht ewig Zeit, das ist meine Hochzeit, die da drin auf mich wartet.“ Und das Letzte, was ich hörte, war der Satz meines Henkers, als er die blitzende Axt in die Luft schwang: „Nun mach mal keinen Stress!“

Lisa Enzenebner (4YFKU)

Weidmannsheil!

 
Es war ein kalter Morgen im Spätherbst, die Nebelschwaden verzogen sich langsam, die Luft war würzig vom Duft des Laubes, die Stimmung friedlich. Irgendetwas jedoch lag in der Luft, etwas Unbeschreibliches, denn dieser Tag sollte in die Geschichte eingehen.
 
Die Männer hatten am Waldrand Aufstellung genommen und erwarteten die Ersten, die aus dem Wald zu fliehen versuchten. Schweigend standen sie, das Eichenlaub blitzte vereinzelt auf den Krägen in der wärmer werdenden Sonne.
Plötzlich durchbrachen Schreie die morgendliche Stille, die ersten Verschlüsse der Waffen knackten, da brach der Erste aus dem Unterholz hervor. Er war noch sehr jung. Unbarmherzig jedoch wurden die Waffen in Anschlag gebracht und abgefeuert. Die Salve zerriss den jungen Körper zur Unkenntlichkeit. Es war ein Hase gewesen, der nun von 24 Schrotladungen durchbohrt auf der Wiese verteilt lag. Man gratulierte sich mit „Weidmannsheil“ und es wurde ein Jagdhund ausgeschickt, um das erfolgreich erlegte Wildtier zu bergen. In Wahrheit wären ein Sack und ein Rechen von Nöten gewesen, um dieses Beweisstück der weidmännischen Schießfertigkeit aus dem Acker zu kratzen. Der Hund jedoch sollte nicht wieder zurückkehren.
 
Die zweite Gruppe der Jäger hatte auf der gegenüberliegenden Seite des Hügels Aufstellung genommen und der Hund, der nichts vorfand, was er hätte mitbringen können, wagte sich über die Hügelkuppe und erschien in der Flanke der zweiten Jägergruppe. Prompt wurde das Feuer eröffnet und der Hund fiel im Kugelhagel.
Hätten sich nicht die Ereignisse dermaßen überschlagen, wäre kurzerhand behauptet worden, der Hund sei an vorderster Front beim Versuch, seinem Besitzer das Leben zu retten, von einem Wildschwein attackiert und selbstlos den Heldentod gestorben.
Aber es sollte alles ganz anders kommen. Die Gesellschaft der Treiber erreichte allmählich selbst den Waldrand und eine kleine Gruppe Unerfahrener wagte sich zu nahe an die Lichtung heran. Vom langen Warten erschöpft, hatten sich beide Jägerabteilungen mit Zielwasser gestärkt, und so mancher würde beim Zielen bald feststellen müssen, dass seine Doppelflinte plötzlich vier Läufe besäße.
Aber der Kälte und Alkoholisierung trotzend harrten sie weiter aus und bemerkten bald, dass sich im Unterholz etwas Großes bewegte. Die Vermutung lag natürlich nahe, dass es sich dabei um die in der Gegend extrem seltenen Wildschweine handle. So wurden kurzerhand von einigen Weidmännern die bei Treibjagden verbotenen Flintenlaufgeschoße ausgeteilt und augenblicklich ein vernichtendes Trommelfeuer in Richtung Waldrand losgebrochen. Die Wirkung war verheerend. Das erste Geschoß hinterließ bei einem Treiber ein großes klaffendes Loch in der Brust und ein noch viel größeres im Rücken. Ein weiteres hinterließ vom Kopf seines Kollegen überhaupt nichts. Erst als die ersten kleineren Bäume umknickten, wurde der Beschuss eingestellt. Drei der Getroffenen waren sofort tot, der vierte – verletzt auf dem Boden liegend – wurde von einem Baum erschlagen.

Die zweite Gruppe, die sich natürlich benachteiligt fühlte, wollte ebenfalls an dieser schönen Schießerei teilnehmen und marschierte über die Hügelkuppe, um sich mit den Kollegen aus der Nachbargemeinde zu vereinen. Ein 78-jähriger Veteran, welcher, der Menge des eingenommenen Zielwassers nach zu urteilen, wahrlich ein Scharfschütze hätte sein müssen, entdeckte das vermeintliche Wild zuerst und feuerte. Er zerschoss einem Kameraden den Lederstiefel und einem weiteren den Oberschenkel. Das wurde jedoch nicht als Versehen, sondern prompt als Provokation gewertet. Es muss allerdings erwähnt werden, dass beide Gemeinden sich gegenseitig noch nie leiden konnten und so wurde ohne zu zögern zurückgeschossen.
Von nun an wurde Kugel mit Kugel vergolten.
Die ersten Ladungen schweren Schrotes fegten gleich zwei Jäger aus den Reihen der nun unter Beschuss geratenen Weidmänner. Beim Versuch sich zu verschanzen, fiel ein weiterer den Kugeln zum Opfer. Jetzt wurde jedoch mit den deutlich wirkungsvolleren Flintenlaufgeschoßen das Feuer erwidert. Kurze Zeit später glich der idyllische Jagdschauplatz einem Schlachtfeld. Im Wald lagen vier tote, unter Bäumen begrabene Treiber, auf der Wiese mittlerweile sechs Jäger der ersten Gruppe und acht der zweiten.
Und nicht zu vergessen: der Hund und das, was vom Hasen übrig geblieben war. Es wurde bis zur letzten Patrone gekämpft; denn erst als die Munition auf beiden Seiten ausgegangen war und man sich entschloss, doch nicht zum Nahkampf überzugehen, kam es zu den ersten Friedensverhandlungen. Genauer gesagt, wurde beraten, wie man diesen schrecklichen, bedauernswerten Jagdunfall der Polizei erklären könnte.
 
Und so wurde also beschlossen, dass dieser Tag in die Geschichte eingehen wird, ja, dies ist ein historischer Tag, an dem nichts, ja gar überhaupt nichts Erwähnenswertes passiert ist, außer, dass ein Jagdhund beim Versuch, seinem Herrn das Leben zu retten, von einem Wildschwein zu Tode gebracht wurde und selbstlos den Heldentod gestorben ist. Weidmannsheil!

Martin Mayrhofer (4 YFKU)

Viele Kühe machen Mühe, eine Kuh nicht
 

Jeder Mensch, der in seinem Leben einmal in den Genuss kommen sollte, Vater oder Mutter zu werden, wird diese Frage sicher einmal zu hören kriegen: „Kann ich ein Haustier haben?“ Und da die Kinder der heutigen Zeit braver, lieber, netter, ruhiger, süßer, intelligenter, fleißiger, vernünftiger und verantwortungsvoller sind als je zuvor, wird dieser Wunsch prompt erfüllt.
Doch auch die Eltern von heute sind nicht von gestern und denken voraus. So wird statt eines relativ pflegeleichten Hasen ein noch pflegeleichteres schottisches Hochlandrind angeschafft. So war es auch im Falle der Familie Müller aus Sierning, die ihren Sohn zum Geburtstag mit diesem Haustier überraschen wollte. Eigentlich war das Objekt der Begierde ja ein Kaninchen, aber man soll ja nicht gleich übertreiben und erstmal klein beginnen. Es wäre ja nicht das erste Mal, dass sich ein vor Verantwortungsgefühl strotzendes Kind bei so einem Monstrum von Tier übernimmt. Die Eltern wollten damit ihrem Sohn auch zeigen, dass man nicht alles kriegen kann, was man will, und man sich manchmal auch mit etwas weniger Exotischem zufrieden geben muss.
So, jetzt aber genug der Belehrungen und zurück zum schottischen Hochlandrind, welches übrigens sehr leicht zu besorgen ist, wenn man Kontakte zu großen Rinderzüchtern hat. Die Familie Müller hatte diese leider nicht. Aber ein allzu großes Hindernis war dies nun auch nicht. Lediglich 39 Anrufe bei einem schottischen Rinderzüchter, 14 Briefe und 32 E-Mails an das Zollamt, eine Überweisung von 2500 € für den Transport, 14 verschiedene Untersuchungen bei 16 verschiedenen Tierärzten, die Erbauung eines Stalles mit ausreichend Freigehege, vier tote Tierschützer, die ihren Seelenfrieden im Komposthaufen der Nachbarin fanden, die Anschaffung von 2,4 Tonnen Heu für den nächsten Monat und natürlich 4271€, die man vorher noch in Pfund wechseln muss, damit man das Tier überhaupt bezahlen kann, waren nötig. Wenn man das alles, was von den meisten als Kinderspiel bezeichnet wird, bewältigt hat, dauert es nicht mehr lange und man hat ein muhendes, zottig behaartes, exotisch duftendes Rind im Vorgarten. Sollte man meinen. Im Falle der Familie Müller geriet auf mysteriöse Art und Weise ein Eisberg in den Ärmelkanal, auf dem ein Pinguin saß, welcher das Rind beim Vorbeitreiben so erschreckte, dass es einen Herzinfarkt erlitt und deshalb nach der Ankunft am Festland sofort zu McDonalds überstellt wurde.
Und zum Schluss lernte wenigstens Müller junior, dass man auch nicht alles kriegen kann, was man sowieso nicht kriegen wollte, auch wenn man von jemandem gesagt kriegt, dass man das kriegt, aber wahrscheinlich nur um einer Bekriegung aus dem Weg zu gehen.
Raphael Ofner (4YFKU)

Nur keinen Stress!

 
So entspannt und frei von all seinen Problemen lebte er, seit ich ihm die Entspannungs-CD „ Nur keinen Stress“ von Veronika gab. Es lief wieder alles wie geschmiert. Fritz freute sich wieder, wenn er mich sah, wir gestalteten unsere Freizeit gemeinsam, bis ins kleinste Detail. Es war alles wieder so wie früher, vor 20 Jahren, als wir uns frisch verliebt liebkosten und alles um uns herum nebensächlich war.
Dank dieser Person, über die ich bereits gesprochen hatte, bin ich nun verwitwet. Die CD hielt, was sie versprach.
Eines Abends jedoch plante ich ein romantisches Dinner. Alles war schön vorbereitet, der Tisch gedeckt, mit Rosenblättern bestreut und das Essen im Ofen verbreitete bereits einen appetitlichen Geruch. Ein prüfender Blick in den Spiegel, die Unterwäsche ist auch passend, nicht zu verrucht, aber auch nicht gerade Omas Schlüpfer. Nun musste ich nur noch warten, bis die Türe aufging.
Die Türe wurde geöffnet, und mein Mann sah mich an. Und wie er mich ansah! Wir aßen, tranken, redeten ein wenig und dann, wenn man Billy Boy braucht, ist er wieder einmal nicht da. Also fuhr Fritz los, um ihn und seine Kollegen zu holen.
Er stieg in sein Auto, fuhr rasant auf die Landstraße auf, schaltete schließlich den CD-Player ein und lauschte:
„Schließen Sie Ihre Augen, atmen Sie tief durch…“
Wohl ungefähr zu diesem Zeitpunkt wurde ich Witwe. Ein Baum war im Weg. Ich hätte Fritz vielleicht sagen sollen, dass er nicht in jeder Stresssituation tun sollte, was die Stimme auf der CD vorschlägt.

Andrea Langeder (4YFKU)