Tag 11 - HOME; SWEET HOME - Do. 23.03.06

Die letzte Nacht im Camp war vorüber, und die hatte es in sich, denn vereinzelt begannen die Helden bereits zu schwächeln. Soviel Kraft hatte aber dann doch jeder, um im Ö-Hof zum letzten Mal nach dem rechten zu sehen. Und siehe da, da tat sich absonderliches. Edi Irreiter hatte gerufen, und alle kamen. Der Camp-Veterinär, die komplette CIMIC-Mannschaft und auch der Camp-Kommandant. In einem humorvollen Monolog zog er sein Resumee über die vergangenen 10 Tage und gleichzeitig seinen Busenfreund Bruno kräftig durch den Kakao.

 

In zwei Nachtschichten entwarf Edi sein Oscar-reifes Kabarett-Programm "Alle gegen Bruno". Oblt Aschacher und Camp-Kommandant Obstlt. Kunert gefiel dieses derart, dass sie ein Treffen mit Sergant Heineken arrangierten.

Edi ist bereits soweit integriert, dass er sich's, flankiert vom Oberschulwart, im Schulwartstübchen bequem machen darf. Derweilen zieht Bruno sichtlich amüsiert am Markt seine Runden. Es gibt hier nichts, was es nicht gibt, immerhin sind wir am Balkan.

Sträucher und Bäume sind teures Gut im Kosovo. Der Markt von Suva Reka hat auch dies zu bieten. Die beiden alten Kosovaren mit den typischen Eierschalen des Familienoberhauptes nehmen das Markttreiben eher gelassen.

Dass die Military Police (MP) immer recht hat und auch die Farbe des Himmels bestimmt, wurde ja bereits berichtet. Dass diese Rechthaberei aber vor LKWs und Sattelschlepper nicht Halt macht, wurde uns bei der Fahrt zum Flughafen eindrucksvoll demonstriert. Blinker raus, Blaulicht an, Augen zu, Vollgas und mittendurch. Unser Swisscoy-Chauffeur vertraut den MP-Mannen anscheinend blind.

Keine Szene aus einem James Bond-Film, sondern tagtägliche Realität im Kosovo. Planmäßig um 13.30 landete die Hercules aus Linz kommend am Flughafen von Dragoviza.

Zwei Flieger-Paletten mit unserm Gepäck und den Baugerüsten bringen ganz schön was auf die Waage. Die drei interessierte die Verpackerei wenig, sie starteten eine letzte Bibelrunde unter der Leitung von Kampfschwester Johanna Schwab.

Mit etwas Verspätung, um 15.35 Ortszeit, hob der dunkle Vogel ab. Mehr oder weniger bequem in den Netzen hängend, zum Teil sogar erste Reihe fußfrei, ließen manche der HTL-ler ihrer Müdigkeit freien Lauf. Schnarchen war erlaubt, mit der Hercules braucht man sich geräuschmäßig nicht anzulegen.

Über den Wolken bot sich für die heimreisende Mannschaft ein tolles Szenario. Die Helden hatten dafür keinen Blick, die Helden waren müde und das dürften sie auch sein.

Wie vorgesehen, nach exakt nach 2 Stunden und 10 Minuten setzte unser brummender Vogel um 17.45 sanft auf. Scotti grinste erlöst, seine Passedan-Ration hatte gewirkt. Aber auch die, die's nicht zugeben wollten, waren froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Manchem dürfte der Top-Hit des letzten Abends, "I am from Austria", wieder eingefallen sein.

Was immer jemals einer von uns über Linz gelästert hat, Linz ist schön. Nach elf Tagen Kosovo wunder, wunder schön. Direktor Franz Reithuber ließ es sich auch diesmal nicht nehmen, seine Mannen persönlich am Flughafen zu empfangen.

Die letzte Etappe unserer spannenden Reise verbrachten wir bequem in einem Bus des Bundesheeres sitzend. Um 19.35 hatte das Abenteuer ein Ende, vor der HTL Steyr gab's Umarmungen, Küsschen und was sonst noch so dazu gehört. Die Erleichterung war spürbar, ein bisschen Stolz ebenso. Und sogleich wurde der Führungscrew auch bewusst, dass wir das wichtigste unserer vielen Projektziele erreicht hatten: Wir sind alle gesund und zumindest einigermaßen munter wieder zu Hause. Gut so!

Held des Tages



--- MANN DES TAGES ---

Wolfgang Schott, hier mit leidendem Blick, hatte es in diesen elf Tagen fürwahr nicht immer leicht mit uns. Die Allüren von 17 umtriebigen Schülern, 3 angespannten Lehrern und einem impulsiven Major, der noch dazu sein Zimmergenosse war, hatten Spuren hinterlassen. Mr. Scott, du hast deine Sache gut gemacht. Sieh's positiv, du kannst in deinem Lebenslauf einen weiteren Auslandseinsatz anführen, und, was viel wichtiger ist, du hast viele neue Fans gewonnen. Danke für deine Begleitung und auch für so manchen Spruch des Tages.
 

Sie haben jetzt leicht lachen. Nach elf anstrengenden und eindrucksvollen Tagen stellte sich das 22-köpfige Team am Flughafen Linz-Hörsching zum letzten Mal dem Fotografen (Scotti versteckte sich).

Die Crew der HTL Steyr hat es geschafft. Geschafft mit Hilfe wohlwollender Sponsoren, mit großartiger Unterstützung des Österreichischen Bundesheeres und mit großem persönlichen Einsatz.

Nicht zuletzt gilt der Dank unseren Vorgesetzten, die auf uns vertraut haben, den Eltern, die uns ihre Tochter und ihre Söhne anvertraut haben und allen, die uns aus der Ferne immer wieder motiviert haben.


Vom Balkan
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F. Brunner
 
 

 



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