ÖRGE: "Andorra" im Deutschunterricht







Hältst Du es für sinnvoll, das Stück "Andorra" von Max Frisch im Unterricht zu behandeln?

Den Lehrern fällt es oft schwer, die Texte oder Bücher, die im Unterricht behandelt werden sollen, zu bestimmen. Das Theaterstück "Andorra" von Max Frisch ist in der dritten Klasse der Oberstufe Prüfungs- und Schularbeitsstoff. Aus der Entscheidung für das Drama von Max Frisch stellt sich die Frage, ob es wirklich sinnvoll ist, einen so höchst kritischen Text im Unterricht zu behandeln.

Andorra ist ein Drama über ein ganz gewöhnliches Vorurteil; in Andorra wird ein Mensch vor unseren Augen zu Tode gefoltert. Obwohl der Held des Dramas sich von seinen Altersgenossen durch nichts unterscheidet, wurde er als Baby als Jude ausgegeben. Der Untergang des Helden beginnt mit dieser Lüge. Die Lüge wird immer "häßlicher" und schließlich vernichtet sie ihn ganz. Am Beispiel des Vorurteils gegen Juden wird in diesem Drama gezeigt, daß es jederzeit und überall Vorurteile gibt und es schwer ist, sie abzubauen.

"Andorra" ist ein didaktisches Werk, das die Schüler zum Nachdenken über ihre Mitmenschen bringt und sogar ihre Weltanschauung ändern kann. In diesem Werk wird die Wichtigkeit der Toleranz betont. Es wird gezeigt, wie wichtig es ist, daß man seine Mitmenschen so respektiert und sie akzeptiert, wie sie sind.

Mit Hilfe dieses Werkes beginnt man einerseits seine Unmündigkeit (im Sinne Kants gemeint) abzubauen, andererseits kommt man darauf, daß man schon fast in jedem Bereich des täglichen Lebens Vorurteile entwickelt hat und sich von denen beeinflussen läßt. Außerdem wird in diesem Werk eine Schande der Menschheit behandelt: Im zweiten Weltkrieg wurden sechs Millionen Juden wegen eines Vorurteils ermordet. Diese Schande kann im Unterricht nicht oft genug betont werden, damit sie in Zukunft nicht wieder passiert. Aus all diesen Gründen halte ich die Entscheidung der Deutschlehrer für "Andorra" für eine der sinnvollsten Entscheidungen, die in der Österreichischen Schule getroffen wurden, auch weil dadurch die Schüler zum ersten Male auf das Auswendiglernen verzichten und beginnen, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen.


Anmerkung:
Der oben stehende Text ist eine Schul-(Klassen-)arbeit, die im Anschluss an die Auseinandersetzung mit dem Stück "ANDORRA" von Max Frisch zu schreiben war.
Örge C.: im Schuljahr 1995/96 Schülerin einer Lise 3-Klasse des Österreichischen St. Georgs-Kollegs in Istanbul